Ich bin vor Kurzem umgezogen und habe nun einen Teich, in dem eine Gruppe von Kois lebt. Kois sind für mich sehr fremde Wesen. Klar, Fische sind toll, ich habe ihnen immer gerne zugeschaut und liebe es, zu schnorcheln und zu tauchen. Aber Freude an einem Tier zu haben ist etwas ganz anderes als Verantwortung zu übernehmen. Und das bringt mich zum eigentlichen Thema: nämlich zu der Wichtigkeit, ein Wesen, mit dem ich zu tun habe, wirklich kennen zu lernen. 

Ich muss etwas über die Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten dieses Wesens wissen, ich muss verstehen, was dieses Wesen ausmacht und ich muss versuchen, mich ein Stück weit nicht nur in das Wesen hineinzudenken, sondern auch hineinzufühlen. Dann kann ich deutlich bessere Entscheidungen treffen als wenn ich aus meiner Position als Mensch heraus handele, egal wie viel ich vielleicht gelesen habe. Dass ich meine Kois nicht auf den Rasen setzen kann, damit sie mal etwas anderes sehen, als immer nur denselben Teich, liegt nahe, aber um wirklich gut für sie sorgen zu können, muss ich noch viel mehr lernen. 

Wir dürfen nie vergessen: Die Wesen, für die wir Verantwortung tragen, sind auf unsere Bereitschaft angewiesen, uns bewusst zu machen, dass sie eben nicht so sind wie wir, dass sich ihre Bedürfnisse deutlich von unseren unterscheiden und dass wir nie leichtfertig annehmen dürfen, „schon zu wissen, was gut für sie ist.“ 

Leider gehen wir, die wir mit Pferden zu tun haben, oft vorschnell und automatisch davon aus, doch bereits alles Wichtige über Pferde zu wissen. So zeigt sich immer wieder, dass viele Entscheidungen in Sachen Pferdehaltung und -nutzung leider vor allem aus menschlicher Sicht getroffen werden und nicht aus der Position des Pferdes heraus. Hier braucht es noch viel mehr Achtsamkeit und Empathie. Und dann kann es gut sein, dass wir unter Umständen Wesentliches anders zu machen als bisher, denn Herkömmliches geht viel zu oft an den Grundbedürfnissen der Pferde vorbei. Das zu erkennen, kann unbequem sein und Schuldgefühle machen, die aber eher hinderlich sind, als dass sie etwas nützen. Entscheidend ist, dass wir nicht einfach weitermachen wie bisher, sondern uns dafür öffnen, unseren Pferden immer gerechter zu werden.

Einfach ist das nicht, keine Frage, aber ist genau das nicht, was das Zusammenleben mit anderen Wesen im Kern ausmacht: bereit zu sein, in jeder Kontaktaufnahme neugierig und offen das Gegenüber immer wieder neu und besser kennen zu lernen? Für mich zumindest besteht darin der Zauber eines echten Miteinanders (… und kann übrigens auch auf das Miteinander mit anderen Menschen übertragen werden).

Anders-Sein