Sprechen wir einmal über die so genannten „schwierigen Pferde“ (und damit letztlich auch über alle möglichen anderen „schwierigen Wesen“, mit denen wir es zu tun haben): Pferde also, bei denen all die vielen gut gemeinten Tipps und Anregungen anderer Pferdeleute nicht das bewirken, was versprochen wird, Pferde, bei denen man mit Methoden oder Techniken nicht weiterkommt oder auch Pferde, bei denen man selbst mit dem, was uns Fachleute raten, nichts erreicht. Das kann uns im Umgang und Miteinander mit dem Pferde passieren, in Bezug auf das Training oder auch in gesundheitlichen Fragen. Denn die Vorstellung, dass es für alle Probleme immer auch wirkungsvolle Lösungen gibt, kann meiner Erfahrung nach eine Illusion sein.

Tja, und was tun, wenn nicht, was man ausprobiert, etwas bringt oder die Sache eher schlimmer macht? Darüber wird so gut wie nie geschrieben oder gesprochen und wenn man alles durch hat, was einem das Umfeld rät, steht man meist ziemlich allein da. Ich persönlich bin zum Beispiel mit meinem Anthony immer und immer wieder an Punkte gekommen, an denen ich feststellen musste, dass es einfach keinen Sinn machte, noch mehr Trainingstipps auszuprobieren, noch einen weiteren Experten zu rufen oder dieses oder jenes weitere Medikament oder Zusatzmittel zu testen. Das waren Tiefpunkte, die mich direkt in meine Ohnmacht, Traurigkeit und manchmal auch Wut (vor allem auf mich selbst) brachten. Hilflosigkeit ist verdammt schwer auszuhalten, vor allem wenn es um ein Wesen geht, das man liebt. Genau diese Punkte aber halten eine wichtige Lernaufgabe bereit, vielleicht sogar eine der wichtigsten überhaupt: nämlich das Annehmen.

Ja zu dem zu sagen, was unserem Gefühl nach nicht gut ist, erscheint uns widersinnig zu sein. Schließlich wollen wir es doch anders und haben gute Gründe dafür! Aber tatsächlich ist „sein lassen“ manchmal der einzige Weg, damit sich etwas verändern kann – und das im doppelten Sinne: einmal im Sinne von „aufhören“, aber auch eben auch in der Bedeutung von „zulassen“. Das ist ein Paradox, dass ich langsam immer besser verstehe: Indem wir aufhören, gegen etwas zu kämpfen und es sein lassen können,  kann sich etwas lösen. Und erst das macht Neues und Anderes möglich.

Etwas sein lassen