Als ich neulich mal wieder über das Thema „Freude“ nachdachte, fiel mir auf, dass Freude oft als Ziel präsentiert wird, also als etwas, auf dass es hinzuarbeiten gilt. So, als gäbe es einen magischen Ort, den wir nur erreichen müssten, und dann ist sie da, die Freude. Meine Erfahrung ist allerdings eine andere.

Ich denke, Freude kann kein Ziel im eigentlichen Sinne sein, denn Freude ist ja nichts fest Definierbares im Außen. Freude ist ein Gefühl und sie entsteht immer nur im Hier und Jetzt. Freude lässt sich nicht wirklich planen, nicht kontrollieren und erst recht nicht erzwingen. Manchmal stimmt von außen betrachtet eigentlich alles und dennoch fehlt echte Freude. Und manchmal stimmt von außen gesehen kaum etwas, aber Mensch und Pferd sind selig miteinander.

Und das ist gleichzeitig das Schöne: Freude kann an den unglaublichsten Stellen und in den vielfältigsten Situationen empfunden werden, ganz losgelöst von Trainingszielen oder Vorsätzen. Freude ist für mich ein Weg, kein Ziel. Ein manchmal schmaler, manchmal breiter Weg, einer der sich windet und der bergauf und bergab führt, einer, der manchmal verschüttet ist und manchmal ganz frei liegt. Freude ist nie etwas Statisches oder Stationäres, sondern immer etwas Bewegliches und sehr Lebendiges, genauso wie es unsere Pferde sind und auch wir selbst, wenn wir es denn wagen …

Freude – Tania Konnerth

Foto von Martin Paasch